Mein Schimmel. Mein Lehrpferd. Mein Professor. Mein Seelenjunge. 🤍
Man sagt, manche Pferde begleiten einen ein Stück des Weges. Und dann gibt es diese eine Seele, die dein Leben verändert.
Für mich bist du genau das.
Ohne dich wäre ich reiterlich niemals dort angekommen, wo ich heute bin. Aber viel wichtiger: Ohne dich wäre ich nicht der Mensch geworden, der ich heute im Umgang mit Pferden bin.
Du hast mich gelehrt, hinzusehen statt nur hinzuhören. Zu fühlen, statt einfach zu funktionieren.
Auf meinem Weg habe ich viel zu oft auf andere Menschen gehört und viel zu selten auf mein Herz. Doch du hast mir gezeigt, dass unser Weg nicht der sein muss, den andere für richtig halten. Sondern der, der sich für uns richtig anfühlt.
Eigentlich war ich gar nicht auf der Suche nach dir. Ich wollte ein Familienpferd. Und dann kam diese Nachricht.
Ein einziges Bild.
Ein Blick in deine Augen.
Und ich wusste einfach: Du gehörst zu mir.
Beim Probereiten dachte ich, eigentlich viel zu viel Pferd für mich.
Aber als ich auf deinem Rücken saß, fühlte ich mich zum ersten Mal angekommen. Als wäre ich endlich zu Hause.
Also bist du eine Woche später bei uns eingezogen.
Nicht ganz ohne Drama, denn auf der Fahrt hatten wir einen Unfall auf der Autobahn. Diese Geschichte verdient ihren eigenen Beitrag. Nur so viel: Wir hatten unendlich großes Glück. Und du? Du steigst bis heute auf den Hänger, als wäre nie etwas passiert. Deine Stärke beeindruckt mich noch immer.
In all den Jahren hast du mich geprägt wie kein anderes Pferd.
Wir haben ausprobiert, sind gescheitert, haben wieder angefangen, neue Wege entdeckt und gemeinsam gelernt. Nie gegeneinander. Immer miteinander.
Als deine Arthrose schlimmer wurde, mussten wir vieles hinterfragen. Also haben wir uns auf die klassisch-barocke Reitweise eingelassen.
Und plötzlich ergab alles Sinn.
Nicht weil wir etwas beweisen mussten. Sondern weil wir endlich den Weg gefunden hatten, der dir guttat.
Im August 2021 kam der Moment, vor dem sich jeder Pferdemensch fürchtet.
Deine Arthrose war so schlimm, dass wir glaubten, wir müssten dich gehen lassen.
Ich habe geweint. Ich habe Abschied genommen.
Doch du warst noch nicht bereit.
Du hast gekämpft. Nicht laut. Nicht spektakulär. Sondern auf deine ganz eigene, stille Art. Und dafür bin ich bis heute unendlich dankbar.
Heute bist du 25 Jahre alt.
Du lebst mit deinen Kumpels in einer kleinen Männer-WG in einem Offenstall, der schöner kaum sein könnte. Du bewegst dich den ganzen Tag, genießt die Sonne, den Wind und dein Pferdeleben. Und das Schönste daran: Du brauchst keine Schmerzmittel.
Genau so habe ich es mir immer für dich gewünscht.
Denn nach allem, was du mir geschenkt hast, bist du jetzt an der Reihe.
Jetzt darfst du einfach Pferd sein.
Und ich wünsche mir von Herzen, dass wir noch ganz viele gemeinsame Momente sammeln dürfen.
Vielleicht keine gerittenen mehr.
Aber dafür die, die wirklich zählen.
Danke, dass du mich zu der Reiterin gemacht hast, die ich heute bin.
Danke, dass du mich gelehrt hast, meinem Gefühl zu vertrauen.
Danke, dass du immer noch an meiner Seite bist.
Ich liebe dich – gestern, heute und an jedem Tag, der noch vor uns liegt. 🤍



